Aufmerksamkeitsdefizit
Morgen hat das Strohwitwendasein endlich ein Ende. Endlich. Eigentlich waren es ja nur vier Tage, aber es kommt mir mittlerweile viel länger vor. Ich habe bemerkt, wie sehr ich mich daran gewöhnt habe, dass wir Abends miteinander Zeit verbringen, selbst wenn wir nicht zusammen sind. Via Skype ihn sehen und hören können, uns gegenseitig Links zuschicken, Fotos per Mail bekommen. Dank des Internets kann man sich nah sein, selbst wenn 400 Kilometer zwischen einem liegen.
Ich habe mich daran gewöhnt, dass er mir erzählt und ich ihm. Und es hat mir gefehlt.
Montag Abend ging es eigentlich. Es war ungewohnt, aber ich war mit dem Adventskalender beschäftigt und mit telefonieren und der Abend ging schnell herum. Dienstag Abend war es dann schon nicht mehr so toll. Vier bis fünf SMS am Tag sind wenig. Ich mache ihm da keine Vorwürfe, weil ich mitbekam, wie viel Stress er auf dieser Messe hatte und wie sehr er darunter litt. Zu wenig Schlaf, keine Pausen, zu viel Arbeit. Ich dachte: eigentlich geht es dir ja doch ganz gut, das Einzige, was dir fehlt, ist Aufmerksamkeit. So muss ich zugeben, dass ich es gewöhnt bin, eine Menge Aufmerksamkeit zu bekommen. Vielleicht mehr als mir manchmal gut tut. Es war ein Gefühl, wie verhungern. Es fehlte, sein Lachen, seine Stimme, sein Grinsen. Das einzige was mir blieb, waren ein paar Fotos und sein Shirt, das ich nachts wie eine Süchtige im Arm halte. Ein wenig riecht es immer noch nach ihm.
Ich habe nicht geweint, am Dienstag Abend, obwohl mir eigentlich ein bisschen danach war. Aber dann dachte ich: „Lola, es sind nur noch ein paar Tage. Schon Freitag seht ihr euch wieder. Andere haben es viel schwerer. Und als du das letzte Mal geweint hast, da hattest du einen wirklichen Grund. Jetzt zu weinen, das wäre nur aus reinem Selbstmitleid. Es ist doch nur gerade ein einsamer Abend. Was ist das schon? Du wirst es ja wohl noch schaffen, einmal alleine zu sein. Das konntest du doch sonst auch ganz gut.“
Gestern Abend hatte ich zum Glück etwas vor, war abgelenkt, nach einem Tag voller Tagträumereien und bin dann direkt und übermüdet ins Bett. Auf meine letzte SMS kam keine Antwort mehr. Weil er mich nicht wecken wollte, wie er mir heute schrieb. Aber als ich in der Nacht aufwachte und aufs Handy schaute, da war das ein ganz schön trauriger Moment. Ich sage dazu nichts. Zu viele Frauenzeitschriften haben mir beigebracht, sowas nicht zu sagen. Ich werde sagen, dass er mir gefehlt hat und wie sehr ich ihn vermisste. Aber ich werde nicht sagen können, dass ich nachts wach lag und mich fragte, warum ich keine Gute-Nacht-SMS bekommen habe.
Heute Abend ist die Messe vorbei, morgen früh ist er wieder zuhause und morgen Mittag darf ich eher Feierabend machen und zu ihm fahren. Ich werde ihn wieder sehen können, riechen, hören und sogar schmecken. Mit allen Sinnen bei ihm sein. Und vielleicht kann ich die Tage vergessen.
Nobody said it was easy, no one ever said it would be this hard.
1 comment 26. November 2009
frauenplausch
Tags: Sehnsucht, Strohwitwe
Lola Strohwitwe
Strohwitwe ist vielleicht ein etwas merkwürdiger Begriff, wenn man alleine wohnt, aber ein passenderer fällt mir nicht ein. Der Liebste ist die ganze Woche geschäftlich auf einer Messe in weitweitweg, von früh morgens bis spät Abends beschäftigt und mehr als ein paar SMS am Tag gibt es deswegen nicht. Dafür hat er mir als Entschädigung ein T-Shirt von sich überlassen, getragen natürlich. Das hilft an einsamen Abenden.
Allerdings habe ich gestern schon festgestellt, dass ich diese Woche wohl viel mehr als üblich schaffen werde. Sonst bin ich (Großstadtgirl) nämlich diejenige, die Abends unterwegs ist, Konzerte, Lesungen usw. Und die freien Abende verbringe ich dann meist stundenlang vorm Notebook und skype mit ihm. Sprich: meinen Haushalt erledige ich morgens vor der Arbeit. Oder in irgendeiner freien Stunde. Oder auch mal gar nicht.
Diese Woche ist für mich eine ruhige Woche. Nur am Mittwoch ist wieder etwas Kultur angesagt und Donnerstag werde ich kurz einer Freundin etwas vorbei bringen. Mehr nicht.
Gestern Abend zog ein Unwetter über meine Stadt, ich kochte, kümmerte mich um meine Wäsche, räumte auf, telefonierte mit meiner Mutter und einer guten Freundin und packte kleine Geschenke für einen Adventskalender ein. Nebenbei lief ein wenig Musik und überrascht stellte ich fest, dass ich in weniger Zeit ganz schön viel geschafft hatte. So für meine Verhältnisse.
Heute Abend gibt’s noch mal eine Ladung Wäsche, die letzten Kalender-Geschenke (wenn ich am Freitag zum Liebsten fahre sollte ja alles fertig sein) und vielleicht mal wieder ein gutes Buch. Ich genieße die Ruhe, auch wenn ich weiß, dass ich sie dauerhaft nur schwer etrage. Bleibt ja auch nicht so. Dafür freue ich mich auch umso mehr auf das Wochenende. Und für ganz harte Zeiten habe ich ja immer noch das Shirt, das nach ihm riecht.
4 comments 24. November 2009
frauenplausch
Tags: Strohwitwe
Vorurteile
„Lola!“ Er schaut mich mit diesem Blick an, der meine Knie weich werden lässt „Es sind Vorurteile. Das weißt du doch, oder?“ Ich grinse.
Wir stehen vor dem Haus seiner Eltern. Kaum eine Stunde von mir entfernt wohnen sie. Und ja: ich habe Vorurteile gegenüber den Bewohnern dieses Landstriches. Ich glaube, das ist normal. So wie die Bayern und die Franken zB. Oder Rheinländer und Ruhrgebietler. Oder…ach, ihr wisst schon. Man versteht die Mentalität der anderen nicht, und gerade wegen der geringen Distanz wird der Unterschied deutlich und die Vorurteile gepflegt. Ich pflege Vorurteile. Gerne. Und die Vorurteile, die die Bewohner meiner Stadt gegenüber den Bewohnern dieser Stadt haben, ist, dass die wohl ein wenig simpel sind. Schlicht, sozusagen.
Ich weiß, dass es nur Vorurteile sind. Und ich schätze, dass es andersrum genau so ist und seine Eltern auch ein paar Dinge über meine Stadt sagen könnten, die ich vehement und lokalpatriotisch abweisen würde.
„Wir können immer noch wie Romeo und Julia werden“ versuche ich einen Witz, der aber irgendwie nicht ankommt. Stimmt, die starben am Ende ja. Nicht so glücklich. Mittlerweile stehen wir im Treppenhaus. Die Tür-Flur-Deko der Nachbarn entspricht schon mal jedem Klischee und ich überlege, jetzt doch noch kurz umzudrehen. Nein. Tapfer bleiben.
Die Eltern sind nett. Unkompliziert. Ein wenig bemüht, aber wer kann ihnen das verübeln? Ich nicht, garantiert nicht. Es fällt mir so schon schwer, mit fremden Menschen umzugehen, besonders, wenn ich einen guten Eindruck bei ihnen hinterlassen möchte. Ich glaube, sie verstehen mich. Und sie scheinen sich aufrichtig zu freuen, dass ich da bin. Ich frage mich ein bisschen, was er von mir erzählt hat. Vermutlich nur die guten Sachen, die schlechten hat er ja auch noch gar nicht so wahrgenommen.
Und ich selbst benehme mich anständig, krame keine Vorurteilsfloskeln raus, kleckere nicht beim Essen und rempele dann bei der Geburtstagsfeier auch nur eine Person an. Aber es war ein Boden, von dem man super alles aufwischen konnte. Werde meine Haftpflichtversicherung also nicht behelligen müssen.
Das habe ich also auch geschafft. Gar kein Problem. Alles wird gut.
Add comment 23. November 2009
frauenplausch
Tags: Familie
shoegirl
„Lola, mir ist aufgefallen, dass du nie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen das gleiche Paar Schuhe trägst.“
Hmmm…für einen 20jährigen jungen Mann ist der ja ganz schön aufmerksam, der Azubi. Und: wenn man so viele Schuhe zur Auswahl hat, dann kann man ja auch mal abwechseln.
„Wie viele Schuhe hast du?!“ Na, so ungefähr 30 Paar.
„Und ich hätte schwören können, du hattest bisher jeden Tag, seit ich hier bin, ein komplett anderes Paar an.“
Gut, der Herr ist seit ungefähr 3,5 Monaten in meinem Büro. Das sind so grob 110 Tage. Wochenenden und Berufsschule abgezogen macht das immer noch bestimmt 70 Tage. Und auch, wenn er das Glück hatte, im August noch meine Sommerballarinas, dann die Herbstschuhe und jetzt sogar die Winterstiefel zu sehen: DAS finde ich jetzt übertrieben von ihm.
Männer. Tze.
3 comments 20. November 2009
frauenplausch
Tags: Schuhe
Familienbande
„Du Lola?“ Oh, wenn der Herzmann so anfängt…mir schwant Übles. „Ja?“ „Fürs Wochenende haben wir ja die Konzertkarten…“
Ja, stimmt. Am Wochenende sehen wir uns endlich wieder. Und wir gehen dabei auch noch auf ein Konzert. Das in der Nachbarstadt seines Elternhauses stattfindet. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe: Während ich zu ihm über 400 Kilometer fahren muss, wären es für mich zu seinen Eltern nur knapp 100 Kilometer. Ein Katzensprung. Und irgendwie ist schon klar, wenn wir auf ein Konzert gehen, das so nah bei seinen Eltern ist, dann will er sie auch sehen. Und dann werde ich sie wohl auch kennen lernen. So früh habe ich noch nie Eltern kennen gelernt. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Dann halt jetzt.
„Am Samstag feiert meine Tante einen runden Geburtstag.“
Das Arschloch Zweifel meldet sich in meinem Kopf. „Er wird absagen. Er kann nicht zu dem Konzert gehen. Er ist in deiner Nähe, aber ihr werdet euch nicht sehen.“ Ich warte ab, unfähig, irgendwas zu sagen. Einatmen. Ausatmen. Er räuspert sich. „Sie fragt, ob wir nach dem Konzert noch vorbei kommen. Ich hab mal zugesagt…wir können dann bei meinen Eltern übernachten.“
Peng. Einerseits: na klar, ich freue mich. Er hat nicht abgesagt. Scheinbar ist ihm das gar nicht in den Sinn gekommen und ich sollte Arschloch Zweifel endlich mal in die Wüste schicken.
Aber mir wird auch bewusst, was er da sagt. Ich werde also nicht nur seine Eltern kennen lernen, sondern gleich seine komplette Familie. Wir werden dort übernachten. Das heißt: ich muss mich benehmen. Ich muss schnell noch einen Kurs „Essen vor fremden Menschen“ belegen, weil ich gerade in solchen Momenten ein großes Talent habe, mein Besteck fallen zu lassen, oder mich mit Essen zu bekleckern. Ich muss meine Haftpflichtversicherung anrufen, ob sie es zahlen, wenn ich auf der Geburtstagsfeier jemanden tollpatschig anrempele, der ein volles Tablett mit Rotweingläsern trägt. Und in der Apotheke werde ich mir Baldrian besorgen.
Ganz ruhig Lola. Familie sind auch nur Menschen. Oder?
5 comments 18. November 2009
frauenplausch
Tags: Familie
Alles gut
Ein weiteres Wochenende ohne IHN, als Strohwitwe sozusagen. Regenregenregen. Kaltnassgrau. Alles doof. Und da habe ich gerade das Gefühl, es nicht einen Moment länger auszuhalten, da piept das Handy.
„Ich denke gerade an dich. Weißt du eigentlich, wie glücklich du mich machst?“
Alles gut. Wieder. Oder immer noch. Nur manchmal muss ich per SMS daran erinnert werden.
3 comments 16. November 2009
frauenplausch
Tags: ER, Glücklich, SMS
Hello, my dear
Hallo Liebe,
Nice meeting you, i wanna be your friend .. Erste Freundschaft kann man nicht sehen oder sogar berührt werden, muss es innerhalb der heart.Hoping Sie fühlen sich einfach so, wie ich do.wow, Freunde sind spürbar wie Kleidung, ohne sie dich nackt fühlen! Ich denke, ich rechts.
mein Name ist Maureen verpassen, werde ich Ihnen mehr über mich erzählen, meine Familie und alle, die vielleicht notwendig, in dieser Beziehung, wenn Sie in diesem mail.If Interessiert Sie, get back to me auf meine E-Mail: (missxxx@hotmail.com)
Mit freundlichen Grüßen teuer,
Maureen.
Großartig. Ich liebe Spam.
Add comment 13. November 2009
frauenplausch
Tags: spam
Queen of Morgenmuffeligkeit
Ich rede gerne. Es macht mir nichts aus, auch nur belanglosen Smalltalk zu halten, mit Kollegen im Fahrstuhl zum Beispiel. Entgegen irriger Annahmen rede ich nicht den ganzen Tag lang
Ich kann auch ganz gut schweigen. Ich finde es auch ganz schön, wenn man miteinander schweigen kann. Und dann gibt es diese Momente, da kann ich einfach nicht reden. Morgens.
Morgens fährt mein Körper auf Sparflamme und zwar komplett. Mit halbgeschlossenen Augen wanke ich unter die Dusche, putze mir die Zähne, zieh irgendwas ausm Schrank und mir an. Dann fahre ich zur Arbeit: mit öffentlichen Verkehrsmitteln, was so ein bisschen die Hölle auf Erden ist. Überall Menschen. Die redenredenreden. Am schlimmsten ist es, wenn ich dort schon Arbeitskollegen oder Bekannte treffe. „Ach, Lola, schönen guten Morgen! Wie geht es dir? Wie läuft’s bei der Arbeit? Hast du da eine neue Jacke an? Wie geht’s denn eigentlich XY? Mensch, wir müssen uns unbedingt mal wieder treffen!“ In dieser Zeit denkt mein Hirn maximal einen Gedanken: KAFFEE! Kaffee ist die Rettung.
Problem ist nur, dass ich Kaffee auf leeren Magen nicht packe. Da wird mir gleich schwummrig. Und vor ungefähr 8:30 Uhr bekomme ich keinen Bissen herunter. Mein Kreislauf muss erst ein klein bisschen in Schwung kommen, bevor ich an Nahrungsaufnahme überhaupt denken mag. Also frühstücke ich im Büro. Und bis dahin bin ich ohne Koffein. Und somit nicht ansprechbar oder aufnahmefähig. Meine direkten Kollegen wissen das. Sie sprechen mich vor 9 Uhr nur an, wenn irgendwas dringendes ist, das Haus brennt oder so. Andere Leute wissen das nicht und/oder es ist ihnen egal. Sie reden Morgens. Während ich mich hinter meinem iPod verstecken möchte, der dafür natürlich viel zu klein ist.
Warum? Warum reden Menschen morgens? Wie machen sie das? Wann kommt das Gesetz, dass es verboten ist, morgens Menschen anzusprechen, besonders, wenn sie noch leicht abwesend wirken!?
7 comments 10. November 2009
frauenplausch
Tags: Morgenmuffel
Entzug
Frisch verliebt…und auf Entzug. Der Nachteil von Fernbeziehungen ist ja, dass man sich in der Regel nur am Wochenende sehen kann. Doof nur, wenn es dann Wochenenden gibt, wo das auch nicht geht. Uns beiden ist schon klar, dass es zeitlich und finanziell kaum machbar ist, dass wir uns jedes Wochenende treffen. Man hat ja auch mal andere Termine.
Aber jetzt werden es zwei Wochenenden „ohne“ sein. Und das gerade jetzt, in dieser Frischverliebtphase, wo wir uns am liebsten kaum für fünf Minuten loslassen würden. Zwei Wochenenden plus die Woche davor und die Woche danach. Das sind also fast drei Wochen. Gefühlte 800 Tage und phantasttrillionen Stunden. Mindestens. Drei Wochen ohne seinen Geruch, seine Haut, seine Berührungen. Ohne sein Lächeln am Morgen, wenn er die Augen aufschlägt und mich ansieht. Ohne die Gänsehaut, die ich bekomme, wenn er meinen Hals küsst.
Und natürlich werden wir das schaffen. Und vermutlich wird es auch nicht das letzte Mal sein, dass wir so lange ohne den anderen auskommen müssen. Das Internet und dabei insbesondere Skype können helfen. Aber es ist nur ein schwacher Ersatz, glaubt mir.
Ich habe Entzugserscheinungen und zähle die Stunden. Und das die nächsten Wochen lang.
4 comments 5. November 2009
frauenplausch
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