„Lola, ich muss dir noch was sagen…“
Ich hasse es, wenn meine Mutter so anfängt. Das heißt meist, dass irgendwas dramatischeres passiert ist. Sonst würde sie es einfach so erzählen.
Und sie erzählt.
Sie zieht dieses Frühjahr mit ihrem Freund zusammen. Sie, die mal gesagt hat, dass sie nie wieder mit einem Mann zusammen ziehen möchte. Sie haben eine gemeinsame neue Wohnung gefunden, die im April frei wird und dann wollen sie noch renovieren und dann einziehen. Gut, er scheint der Richtige zu sein. Meine Mutter ist ja auch förmlich aufgeblüht und genießt die Zweisamkeit sehr. Mich freut das auch.
Ich habe kein Elternhaus. Als Scheidungskind verliert man das. Und jetzt verliere ich noch die Wohnung, in der ich die schönsten Jahre mit meiner Mutter verbracht habe. Die Jahre, die unsere Beziehung gefestigt und freundschaftlicher gemacht hat. Die Wohnung, in der ich noch ein Zimmer habe. Hatte, denn die ersten Möbel sind schon zum Sperrmüll gewandert. Zwar belächele ich es auch immer, wenn ich höre, dass andere noch viele Dinge in ihrem Elternhaus haben. Alte CDs oder Bücher, Spielzeug oder so. Ich habe das nicht. Keine Vergangenheit, keine Erinnerungen daran. Und da ich schon immer unter einem Wegwerf-Wahn litt, habe ich damals (als das Haus der Eltern entrümpelt wurde) weggeworfen. Und bereut. So bei einzwei Dingen zumindest.
Solche Dinge sage ich meine Mutter nicht. Es würde ihr das Herz brechen. Und sie würde sich unnötige Gedanken machen und mit einem unguten Gefühl umziehen. Das möchte ich nicht. Ich möchte, dass sie sich auf das Zusammenleben und die neue Zeit freut. Weil ich ja selbst weiß, wie schön das ist. Veränderungen müssen sein. Ich schau nach vorn.


